Die Wahrheit über unterbewussten Stress

Wirst du manchmal von negativen Emotionen übermannt und weißt dann nicht mehr ein noch aus? Was machst du dann? Die innere Notbremse ziehen und erst einmal runterkommen? Oder hat dich das Hamsterrad der Emotionen so fest im Griff, dass du nicht loslassen kannst und das Unglück seinen Lauf nimmt?

Nichts ist so alt, wie die Nachricht von gestern

Mal ehrlich, wie oft durchdenkst du Vergangenes, machst dir Sorgen über Versäumtes? Einschließlich des nicht zu umgehenden schlechten Gewissens. Aber sind all die Sorgen und Befürchtungen nicht auch „Nachrichten“ von gestern – alte Erfahrungen, nichts weiter?

Fahr vorsichtig!

Oft gehört, selber sicher schon oft gesagt. Ich sehe darin ein gutes Beispiel für versteckte Botschaften: Ist es eine Ermahnung, ein Befehl oder die Angst, sich nicht wieder zu sehen? Schwer zu sagen, nur weiß ich, dass viele darauf allergisch reagieren. Irgendetwas scheint an dieser Fürsorge nicht echt zu sein.

Die Angst, jemanden zu verlieren, rüttelt an tiefsten Verlustängsten

Es wäre ganz einfach zu sagen: “Fahr vorsichtig, denn ich habe Angst, dich zu verlieren.” Da stellt sich doch die Frage, warum eine Autofahrt per se als so gefährlich angesehen wird, dass wir uns vielleicht zum letzten Mal gesehen haben? Selten sind es eigene Erfahrungen. Auch der Appell an die Vernunft verhallt, denn Verlustängste sind mächtig. Auch die Logik hilft nicht weiter, solange unterbewusste Stresskreisläufe ihre Kreise ziehen.

Die Wahrheit über Stress

Zunächst einmal: Akuter Stress hält das Leben im Gleichgewicht. Tritt eine wie auch immer geartete Gefahr ein, “weiß” der Körper, was zu tun ist. Nämlich alle Kräfte zu mobilisieren, sich aus dieser Notlage zu befreien. Und das möglichst umgehend. Lange nachzudenken kann u.U. tödlich enden. Dass in einer bedrohlichen Situation handeln angesagt ist, anstatt nachzudenken, liegt auf der Hand. Dafür liefert der Körper durch Ausschüttung von Adrenalin und seiner komplexen Stresschemie ganz gezielt die nötige Energie. Genauer gesagt, die Energie wird dahin umverteilt, wo sie am meisten gebraucht wird – weg aus dem Gehirn, rein in die Extremitäten und hoch mit dem Blutdruck, damit das Herz ordentlich pumpt. Ein veritabler Ausnahmezustand.

Die Wahrheit über unterbewussten Stress

Um wieder runter zu kommen hilft, biologisch gesehen, nur eins: Entspannung. Nach einer körperlichen Stresssituation geschieht das meist automatisch, wir atmen auf:”Ist ja noch mal gut gegangen!” Bei seelischen Verletzungen oder wenn jemand emotional getroffen ist, läuft es in der Regel anders ab. Stell dir einmal vor, du hättest dich gerade vor einem bissigen Hund gerettet: Anstatt die Situation zu verlassen, stellt du dich vor ihn, redest auf ihn ein und machst ihm jede Menge Vorwürfe. Verrückt, oder? In persönlichen Beziehungen wird aber gern weit ausgeholt. Verrückt, oder?

Verrückt ist, dass wir in Bezug auf äußere Gefahren bessere Reaktionen haben, als auf innere. Obwohl die Gefahren dieselben sind.

Das Geheimnis des Stresskreislaufs

Der Körper unterscheidet nicht zwischen äußerer und innerer Bedrohung. Und der Mensch selber? Streitgespräche entstehen in der Regel aufgrund von Interessenkonflikten und enden sehr oft mit persönlichen Angriffen. Anstatt den eigenen Gefahrenpunkt rechtzeitig zu erkennen und sich seelisch “in Sicherheit” zu bringen, wird wie ein Kaninchen auf die Schlange gestarrt.

Was passiert da? Angstbesetzte, nicht verarbeitete Erfahrungen sind unterbewusst in unvollständigen Stresskreisläufen gespeichert oder eingeschlossen. Diese unübersichtliche Quelle für Dauerstress kann uns nicht nur gesundheitlich gefährlich werden.

Unterbewusster Stress sendet rettende Signale

Dauerstress erhöht zwar das Krankheitsrisiko, ist aber kein unabwendbares Schicksal. Wir sind auch nicht restlos von unterbewussten Vorgängen abgeschnitten. Der Körper spricht die Sprache der Seele. Auch in der Art wie gesprochen wird, offenbart sich so einiges. Gewählte oder weggelassene Worte, ihr Klang, einschließlich der Untertöne, geben ein Bild eines Menschen ab. Genau hinzuschauen und ein genaues hinhören, teilt uns viel über andere mit. Hinzuschauen und zuhören ist allerdings eine Kunst, die wir uns zurückerobern müssten.

In jedem Körper steckt eine Seele

Die Seele spricht mit uns durch den Körper. Seine Haltung, die Gesten, der Blick sind direkte Möglichkeiten miteinander zu kommunizieren. Wir wissen, dass die Gefühle im Körper zu Hause sind. Er ist warm oder kalt, beweglich oder vor Schreck erstarrt, lebendig und voller Ausdruck. Man kann mit gutem Gewissen sagen: Der Körper lügt nicht.

Es ist eine jahrtausendalte Wahrheit, dass Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden. Eine neue Wissenschaft, die Psychoneuroimmunologie liefert uns Menschen der Moderne nun auch geschätzte Beweise. Wen es interessiert, in das Thema tiefer einzusteigen, dem empfehle ich “Was uns krank macht – was uns heilt” von Christian Schubert. Auch Stressabläufe unterstehen dieser Einheit, weshalb wir uns im Streit mit anderen schlecht fühlen. Die Seele will Frieden. Aber Verlustängste haben im Laufe des Lebens so tiefe Spuren hinterlassen, dass sie übermächtig geworden sind.

Im Stress sind alle Menschen gleich

Wird Stress als Notfallreaktion angesehen, ist der nächste Schritt nicht weit: Jeder hat im Stress Angst etwas zu verlieren. Etwas, das ihm wertvoll und bedeutsam erscheint. Es kann das eigene Leben sein. Es können Ideale sein, das eigene Selbstbild, die Achtung vor sich selber und natürlich die Angst, einen wichtigen Menschen zu verlieren. In diesen Ängsten ähneln wir uns alle. Auch darin, im Stress über Signale aus dem „Dunkel” des Unterbewusstsein zu kommunizieren. Alte Ängste, verdrängte Erfahrungen und unklare Gefühle melden sich urplötzlich zu Wort. Aus Gründen des Selbstschutzes haben wir über die Jahre vieles weggesperrt. Bis es knallt!

Im Stress wollen auch alle das Gleiche …

Jeder wünscht sich aus seinen tiefsten Tiefen heraus innere Sicherheit und seelischen Frieden. Leider wird viel zu selten eine geglückte Harmonie im Zusammenleben erreicht. Leider, leider. Die gute Nachricht ist, dass sich das mit einem kleinen Kunstgriff ganz leicht ändern ließe.

Stress besiegen durch Wissen, wäre so ein Kunstgriff. Wenn du nämlich weißt, dass

  • ein aufgewühltes Gemüt zu keiner guten Lösung fähig ist, wirst du es gar nicht mehr versuchen
  • du im gestressten Zustand als allererstes Ruhe brauchst, wirst du dafür sorgen
  • Stress ein Alarmzustand ist, wirst du lieber in dich hineinhören, als so weiter zu machen

Zu wissen, was du brauchst, ist deine Rettung

Emotionale Stressreaktionen sind sehr subjektiv. Daher sehr oft nicht nachzuvollziehen. Wenn du vermeiden willst, nicht verstanden zu werden, werde aktiv. Jegliche Aktivität baut überflüssige Stressenergie ab. Körperliche Bewegung, aktives Aufschreiben verworrener Gedanken, etwas erledigen sind simple Alltagsdinge.

Aber auch innere Ressourcen helfen Stress zu reduzieren:

  • sich schöne Erinnerungen zurückholen
  • tiefe Atemübungen mit Blick in den Himmel
  • sich an all das erinnern, was schon geschafft wurde
  • doch mal eine Bedürfnisliste erstellen

Was immer hilft, Neues auszuprobieren. In diesem Artikel hast du Hintergründe und neue Perspektiven bekommen. Denke darüber nach, probiere etwas aus. Entwickle deine eigenen Strategien. Werde aktiv.

Das ist die Wahrheit über unterbewussten Stress: Er möchte, dass alles beim Alten bleibt. Du hast die Wahl.

Es kann nur besser werden!

 

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